Festschrift 60 Jahre

Die Vereinsgeschichte - Kopie aus der " Festschrift 60 Jahre "





Knappenverein 1923 Sevelen

Der Verein trägt den Namen Knappenunterstützungsverein Sevelen, Hörstgen und Rheurdt.

Der ursprüngliche Zweck des Vereins bestand darin, seine Mitglieder bei Krankheit zu unterstützen und ihnen im Todesfalle ein würdiges Begräbnis zu sichern.

Der Anlaß zur Gründung des Vereins hatte einen tragischen Hintergrund. Im Dezember des Jahres 1922 verunglückte der Jungbergmann Heinrich Baumans tödlich. Seine Arbeitskameraden von der damaligen Schachtanlage NBAG, heute Niederberg, gaben ihm das letzte Geleit.

Bei der Zusammenkunft im Anschluß an die Beisetzung waren neben den Angehörigen und Nachbarn auch die ehemaligen Kameraden versammelt.

Dabei kam es erstmalig zwischen Theodor Louven, Josef Kruse und August Wüstenberg zu einem Gespräch, wobei die eventuelle Gründung eines Knappenunterstützungsvereins, wie sie rechtsrheinisch längst üblich waren, Hauptgesprächspunkt war. Von diesem Gedankenaustausch bis zur Gründungsversammlung verging eine Zeit mit neuerlichen Zusammenkünften und regem Meinungsaustausch.

Die Vereinsgründer machten es sich nicht leicht, ständig kamen Zweifel und Bedenken auf über Nutzen, Sinn und Durchführbarkeit, bis zuletzt blieben einige Fragen offen. Doch allen Schwierigkeiten zum Trotze wurde im März 1923 zur Gründungsversammlung in die Gaststätte „Zur Linde“, heute Baumans—Cremer, eingeladen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, daß die „Linde“ in den vergangenen 60 Jahren ununterbrochen unser Vereinslokal ist.

Die Benachrichtigung zur Gründungsversammlung hatten die Bergarbeiter von Sevelen und Umgebung durch Anschläge auf den Schachtanlagen NBAG und Friedrich-Heinrich erhalten. Wider Erwarten fand die Zusammenkunft große Beachtung. Gleich 50 Kameraden traten am Gründungstag dem Verein bei.

Der erste Vorstand setzte sich aus folgenden Leuten zusammen:

1. Vorsitzender: Theodor Louven

2. Vorsitzender: Heinrich Heimes

1. Kassierer: August Wüstenberg

Boten: Theo Tekath, Jakob Bosser, Anton Büren,

Gerhard Schenk, Emil Spengel.

Von den Männern der ersten Stunde weilt niemand mehr unter den Lebenden. Geblieben sind "uns zwei passive Mitglieder, die im Gründungsjahr 1923 dem Knappenverein beigetreten sind. Es sind Frau Emma Baumans und Herr Robert Düngelmans.

In der damaligen Zeit einen Verein aufzubauen‚'war ein schwieriges Unterfangen, war sie doch gekennzeichnet von einer weltweiten Wirtschaftskrise. Für die Mitglieder hieß das, großer persönlicher Einsatz und finanzielle Opfer.

Als nach außen sichtbares Symbol des Vereins wurde 21/2 Jahre später die Fahne angeschafft. Im August 1926 wurde die Fahnenweihe vorgenommen. Die ersten Fahnenträger waren: Eduard Gräf, Jakob Cornelissen, Johann Leenen.

Bezeichnend für die damalige Stellung des Bergmanns in der Gesellschaft ist die Tatsache, daß sich niemand „Prominentes“ finden ließ, der die Fahne einweihen wollte. Es blieb dem damaligen Vorsitzenden Theodor Louven überlassen, die feierliche Handlung vorzunehmen.

Als Theodor Louven aus gesundheitlichen Gründen die Vereinsleitung abgeben mußte, übernahm Hermann Lohmann den Vorsitz. In dieser Zeit wurden 24 Ehrenmitglieder aufgenommen.

Eine Bereicherung des Vereinslebens waren der im Jahre 1928 stattfindende Familienabend und eine Kinderbescherung. Diese beiden Einrichtungen sind bis heute noch als fester Bestandteil im Vereinsjahr geblieben.

 

Dann kam das Jahr 1933.

Nach dem Willen der damaligen Machthaber mußte auch der Knappenverein „gleichgeschaltet“ werden. Der 1. Vorsitzende war allein verantwortlich für den Verein und dessen politische Neutralität. In den nachfolgenden Kriegsjahren ruhte das Vereinsleben völlig, lediglich die Kassierungen für die Kranken- und Sterbekasse wurden beibehalten.

Beim Einmarsch der Alliierten gingen in dem allgemeinen Durcheinander wichtige Unterlagen, wie die Vereinschronik, verloren, Sie repräsentierte volle 22 Jahre Vereinsgeschichte ein unersetzbarer Verlust.

Zaghaft und zögernd kam das Vereinsleben wieder in Gang. Allen Vereinen wurden strenge Verordnungen auferlegt. Nach dem damaligen Kontrollratsgesetz mußten drei politisch unbelastete Leute für den Verein bürgen.

Dies waren die Kameraden:

Anton Büren, Georg Nagel, Hermann Lohmann.

Letzterer übernahm in dieser Zeit nicht nur den 1.Vorsitz, sondern auch noch die Funktion des 1. Kassierers und des Schriftführers alles Ämter, um die er nicht zu beneiden war.

Am 8. August 1948 feierte der Verein sein 25jähriges Bestehen unter Mitwirkung aller Örtlicher Vereine und der Brudervereine aus Kapellen und Geldern. Besonders herauszustellen ist dabei, daß sämtliche örtliche Vereine durch ihre Teilnahme an den Festlichkeiten, im Umzug und mit Fahnen und Blumenschmuck ihre Zusammengehörigkeit mit den Knappen bekundet haben. 1952 legte Hermann Lohmann das Amt des 1. Vorsitzenden nieder. Mit viel Energie, Zähigkeit, Einsatz und Umsicht hatte er 27 Jahre die Geschicke des Vereins gelenkt. Von langjährigen Mitgliedern ist zu erfahren, daß in der Zeit nach dem Kriege außer Familienabend und Kinderbescherung auch regelmäßig Theateraufführungen stattfanden, wo Knappen und deren Angehörige die Schauspieler waren. Man sollte dies vielleicht wieder aufgreifen und zu neuem Leben erwecken.

 

Am 9. August 1953 wurde das 30jährige Bestehen gefeiert. Damaliger Vorsitzen der war Willi Hansen. Wenig später, am 30. Mai 1954, gab er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen an Georg Nagel ab.

 

In den 50er Jahren erlebte der Verein einen Aufschwung durch steigende Mitgliederzahlen. Damals gehörte der Bergmann zu den Gefragtesten der jungen Bundesrepublik.

 

Erstmalig wurde für die Fahnenträger Bergmannstrachten angeschafft. im Jahre 1959 wurden die Vereinssatzungen überarbeitet und der Zeit angepaßt. Gleichzeitig wurde der Vereinsname in „Knappenverein Sevelen“ umgeändert.

 

Am 10. Juli 1960 wurde Gerd Mayers 1. Vorsitzender. Zur Seite blieb ihm Georg Nagel, der fortan die Betreuung der passiven Mitglieder übernahm. Am 18. August 1963 beging der Verein sein 40jähriges Bestehen.

 

Seit dem 31. Juli 1965 leitet Heinz Görtz als 1. Vorsitzender die Vereinsgeschicke. Der Beginn seiner Amtszeit fiel wieder in eine schwierige Zeit, in der wir‚ vom Öl überschwemmt, mit der sinkenden Bedeutung der Kohle an Wertschätzung der Gesellschaft verloren. Damals hat sich nicht jeder Bergmann zu seinem Stand bekannt. ln das Jahr 1965 fiel auch der 1. Deutsche Bergmannstag in Duisburg und Essen, der auch von einer Abordnung unseres Knappenvereins besucht wurde. Von dieser Tagung wurden wertvolle Erkenntnisse und Anregungen mitgebracht. Der Verein trat dem Landesverband bei. Außerdem wurde der „Ring linker Niederrhein" gegründet, dem sich außer uns die Brudervereine Geldern, Kapellen, Kevelaer, Nieukerk und Xanten anschlossen. Dieser Ring will Bergmannsgut erhalten, Tradition pflegen, kameradschaftliche Zusammenarbeit fördern und das Vereinsgeschehen beleben.

lm Jahre 1966 wurde beschlossen, eigene Trachten anzuschaffen. Die finanziellen Mittel dafür mußten die Mitglieder selbst aufbringen. lm Jahre 1969 schlossen sich in Sevelen alle örtlichen Vereine zu einer Vereinsgemeinschaft zusammen. Dieser sich inzwischen vielfach bewährten Einrichtung hat sich der Knappenverein sofort angeschlossen.

Der Knappenverein Sevelen war im Jahre 1972 erstmals Ausrichter der Sommerkirmes. Zu diesem Ereignis trug Heinz Görtz als Repräsentant unseres Vereines die Festkette. Seine Adjutanten waren Willi Schürmann und Gerhard Swart.

Unser 50jähriges Bestehen feierten wir am 11. und 12. August 1973 unter der Schirmherrschaft von Bergwerksdirektor Busche aus Kamp-Lintfort. Die Rheinpreußen-Kapelle Chor Rheinland mit Tanzorchester und die Tanzkapelle „The Skyriders” verschönten als Mitwirkende unsere Festtage.

Im gleichen Jahr wurde die Vereinsfahne restauriert und unsere Vereinssatzung zur heutigen Fassung geändert.

In den nachfolgenden Jahren hat man sich zur Bereicherung des Vereinslebens einiges einfallen lassen. Zur Ausrichtung der Kirmes und des Martinsabends, als Gemeinschaftsprojekte der Vereinsgemeinschaft, wurden ständig neue Finessen ausgeknobelt, um die nötigen Finanzen aufzubringen. Es sei nur an den 28. September 1980 erinnert, als der Knappenverein das Torwandschießen auf dem Marktplatz, zugungsten des Martinszuges, ausrichtete. Viele freiwillige Helferinnen und Helfer trafen sich nachmittags auf dem Markt, um an den beiden Torwänden, Bierstand, Kegelbahn, Nagelbalken, Büchsenwurfbude und den Ständen für Reibekuchen, Würstchen, Kaffee und Kuchen kräftig zuzupacken. Der Zuspruch der Bevölkerung war so groß, daß wir nach Abzug der Unkosten einen stattlichen Betrag auf das Martinskonto überweisen konnten. Hans Thoma führte am 10. November 1980 als St. Martin, mit seinen Knechten Hans Bathen und Edmund Karger, den Fackelzug in Sevelen an. Er hatte als Nichtreiter nicht nur den langen Umzug auf dem Schimmel überstanden, sondern auch ein Grußwort an die Kinder gerichtet.

Der jährliche Nikolausabend und auch der Familienabend werden weitgehendst durch Spenden von Mitgliedern, Freunden und Gönnern bestritten. ln diesem Zusammenhang sollte unbedingt unser Kollege Anton Hasters erwähnt werden, der in seiner unnachahmlichen Art alljährlich als Nikolaus die Kinder begeistert, und dies seit mehr als 25 Jahren. Bereichert wird der Nikolausabend durch die Kasperbühne Gelderland seit mehr als 10 Jahren von Heinz Vennhofen. Weitere Höhepunkte im Vereinsleben stellen die Ausflüge dar, und besondere Aktivitäten haben die Knappen immer beim Schubkarrenrennen am Rosenmontag entwickelt.

 

Im April 1980 war der Knappenverein Sevelen Ausrichter des Landesdelegiertentages. Dieser Umstand hätte den Verein vor große Probleme gestellt, hätte nicht unser Schirmherr Dr. Boldt in dankenswerter Weise die Bewirtung der zahlreichen Delegierten übernommen. Im Juni 1981 stand der Knappenverein wieder im Mittelpunkt des Kirmes- und Vereinsgeschehens. Unser Kollege Kurt Stellmacher wurde Festkettenträger, ihm zur Seite standen die Kameraden Horst Kleinschmidt und Gerhard Kretschmer. Beim traditionellen Umzug wurden von über 50 Knappen zur gewohnten Bergmannstracht erstmalig Schachthüte mit Federbusch getragen. Die Anschaffung der besagten Schachthüte war nur möglich, weil unser Kamerad Willi Lang durch persönlichen Einsatz namhafte Bergbauzulieferfirmen zu großherzigen Spenden bewegen konnte.

Der Vorstand im Jubiläumsjahr 1983 setzt sich aus folgenden Kameraden zusammen:

1, Vorsitzender: Heinz Görtz

2. Vorsitzender: Karl Heinz Schmidt

1. Kassierer: Hans Jürgen Daum

2. Kassierer: Gerd Kretschmer

3. Kassierer: Hans Bathen

1. Schriftführer: Horst Henning

2. Schriftführer: Kurt Stellmacher



Boten: Erich Krüger, Horst Kleinschmidt, Jakob Görtz,

            Willi Hubbert, Anton Hasters, Edmund Karger, Hans Bathen

 

Fähnriche: Horst Ophardt, Edmund Karger, Hans Bathen

 

In den letzten Jahren kann festgestellt werden, daß der Bergmann sich zunehmend zu seinem Beruf bekennt und diese Einstellung auch nach außen sichtbar macht. Wir können vermeiden, daß unsere Mitgliederzahlen steigen, begünstigt auch durch den Umstand, daß in Sevelen verstärkt Bergleute und ihre Familien ansässig werden. Wir hoffen, daß noch viele Neu-Sevelener Bergleute bei uns im Knappenverein Mitglieder werden.

 

Wir wollen in diesem Jahr unser Jubelfest begehen, stolz auf unsere Tradition und unserem Stand. Alles was an Kraft und Zeit für dieses Jubiläum aufgebracht wurde, war einzig und allein von dem Wunsch getragen, unser Jubelfest für uns und für andere zu einem besonderen Ereignis werden zu lassen.

 

Unsere kleine Festschrift soll Erinnerungen für Eingeweihte wachrufen und für Außenstehende einen Überblick geben über Entstehung und Werdegang unseres Vereins.

 

Glück auf

Der Vorstand des Knappenvereins 1923 Sevelen

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